Rio-Radla #1: Eine Porträtserie beginnt.
posted by wolfgangaichinger
Velosoph Wolfgang berichtet aus seiner Zeit in … Rio de Janeiro, Brasiliens zweitgrößte Stadt, weist mehr Kraftfahrzeuge auf den Straßen auf als jemals zuvor. Gleichzeitig gilt die Stadt als eine der radfahrfreundlichsten Südamerikas, Politik und Aktivisten bemühen sich um Verbesserungen und jeden Tag schwingt sich mindestens eine halbe Million Menschen auf das Rad. Fünf Portraits sollen einen kurzen Einblick in die dortige Radfahrszene ermöglichen und die Frage beantworten, wer hinter diesen Zahlen, Entwicklungen und ersten Erfolgen steht.
#1: Der Aktivist Zé Lobo.
Optimismus ist eine Eigenschaft, die Zé Lobo (48) und seine Arbeit als Radfahraktivist seit Anfang an auszeichnet. Nach vielen Jahren des aktiven Bemühens zählen er und die von ihm gegründete NGO Transporte Ativo zu den einflussreichsten Figuren der Fahrradszene von Rio de Janeiro.
Bereits in den späten 80er Jahren entdeckte er das Fahrrad als städtisches Transportmittel – und in Form eines Radverleihs für Touristen auch als Einkommensquelle. Nachdem im Zuge der UNO-Klimakonferenz 1992 in Rio die ersten Radwege errichtet wurden, fand es Zé Lobo an der Zeit, aktiv für weitere Verbesserungen im Radverkehr einzutreten. Die Zeit schien günstig und in der Verwaltung herrschte ein gewisses Interesse an diesem „neuen“ Transportmittel. Bis in die Mitte der 90er Jahre arbeitete er gemeinsam mit der Stadt Rio an Publikationen und Bewusstseinsbildung. Mangelnde Ergebnisse führten jedoch zu Frustration und einem Rückzug aus dem Aktivismus.
2003 wurde Zé Lobo schließlich von einer frisch gewählten Stadtregierung erneut kontaktiert und angeregt, eine NGO zu gründen, um den Radfahrern besseres Gehör bei offiziellen Planungen zu verschaffen. Zé Lobo nutzte all seinen Optimismus – und Teile einer Erbschaft – und gründete Transporte Ativo. Die NGO ist Teil der städtischen Radverkehrsplanungsgruppe, erarbeitet Daten über den Radverkehr, hält Seminare für Radfahrer oder Angestellte der Stadtverwaltung ab und ist mit internationalen Forschungsgruppen vernetzt. Was die Organisation auszeichnet, ist ihr kooperatives Auftreten. Im Gegensatz zu anderen Städten wie beispielsweise São Paulo, arbeiten in Rio Stadtverwaltung und NGO eng zusammen.
Trotz all seines Optimismus sieht Zé Lobo für die Zukunft von Rio de Janeiro zwei mögliche Szenarien – einerseits eine Stadt, die im Stau erstickt und andererseits eine gesunde Stadt, die lebendigen öffentlichen Raum für Fußgänger und Radfahrer besitzt. Transporte Ativo arbeitet daran, dass zweiteres Wirklichkeit wird.
Bald folgt #2: Mauricio
